Moritz Becker vom Verein „smiley“ kann dem Pädagogik-Papst Dr. Jan-Uwe Rogge das Wasser reichen. Das Internet ist das Thema des 34-jährigen Diplompädagogen aus Hannover, das er für die Eltern und Lehrer im Loxstedter Bürgersaal mit seinem Pappkameraden Max bearbeitete. So amüsierten sich mehr als 100 Zuhörer über Max, Moritz und dessen Vortrag über Spuren im Netz. Das Publikum hat sich köstlich amüsiert und dabei verstanden, das sich ein 13-Jähriger im Internet genauso bewegt wie im richtigen Leben.
Sie lernten eine Menge über junge Leute wie Max und die Haltung, mit der sie im weltweiten Netz surfen. Dabei machte der Diplompädagoge den Erwachsenen auf unterhaltsame Art klar, dass technische Filter allein Jugendliche nicht vor den Gefahren des Internets schützen. Immun gegen Cybermobbing und unerwünschte Annäherungen aus dem Netz werden die Jugendlichen, wenn ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden. Seine Botschaft: Wenn Kinder im richtigen Leben klarkommen, dann können sie auch mit den neuen Kommunikationsmitteln verantwortungsbewusst umgehen.
Erwachsene und Jugendliche haben völlig verschiedene Sichtweisen aufs Internet. Für die Erwachsenen ist es ein Arbeitsmittel wie ein Hammer, den der Pädagoge auch tatsächlich aus einem Werkzeugkasten holte. Für junge Leute wie den 13-jährigen Max aber ist es ein Spielzeug, das es zu erkunden gilt.
Eigentlich war Max die Hauptperson des Abends. Er wurde am Anfang mit gelben Karten ausgestattet, auf denen all die Eigenschaften standen, die ihn antreiben: Neugierde, Unbekümmertheit, die Suche nach Anerkennung, Aufmerksamkeit, Freiheit, Orientierung und nach der eigenen Identität. Mit Max und seinen erwachsenen Zuhörern probierte Moritz aus, wie unterschiedlich sie zum Beispiel auf Facebook reagieren. Würde sich zum Beispiel Max’ Mutter bei dem Internet-Netzwerk anmelden und feststellen, dass Facebook bereits viele ihrer Freunde kennt, weil die schon vorher nach ihr gesucht hatten, würde sie das Laptop erschreckt zuklappen. Big Brother lässt grüßen.
Max würde völlig anders reagieren und verzückt rufen: „Wie geil ist das denn.“ Denn er sucht Kontakte im Netz, um sich zum Beispiel zu verabreden. Er nutzt das Internet als Kommunikationsmedium wie seine Eltern das Telefon oder als Bildmedium wie seine Eltern den Fernseher. Gedanken müsse man sich aber machen, wenn das Kind von Internetspielen oder sozialen Netzwerken dermaßen gefesselt sei, dass es das wahre Leben verpasse. Dann stimme allerdings in der Regel etwas mit den Grundbedürfnissen nicht, die den 13 Jahre alten Max antreiben, sagt der Pädagoge. Bei Max müssten Eltern und Lehrer dann ansetzen, nicht beim Internet. Genauso sei es mit dem Cybermobbing, wenn Jugendliche im Netz gemobbt werden. Am besten, so der Pädagoge, gehe man dem wie im richtigen Leben auf den Grund und versuche, ein Mitgefühl für die gemobbte Person herzustellen.
Die Veranstaltung war organisiert vom Loxstedter Präventionsrat, als dessen Sprecher Bürgermeister Detlef Wellbrock (parteilos) die Internetrecherche einleitete.
Text und Bild Barbara Fixy