„Wir müssen oft etwas tun, was wir nicht wollen, können vieles, was wir nicht dürfen, sollen insgesamt als Sieger auf der Lebensbühne agieren.“ Dass das so nicht immer funktionieren kann, wollte Professor Dr. Annelie Keil bei einem Vortrag in Loxstedt den Zuhörern vermitteln.
Der Präventionsrat Loxstedt hatte die bekannte Gesundheits- und Sozialwissenschaftlerin Annelie Keil dazu eingeladen, bei der 9. Offenen Präventionsversammlung zum Thema „Lust auf Leben in eigener Regie“ zu sprechen.
Fast sah es zu Beginn danach aus, als würde die Referentin sich verspäten, dann aber erschien die Professorin doch noch auf die Minute pünktlich im Saal.
Und Annelie Keil wäre nicht Annelie Keil, wenn sie nicht eine gute Begründung präsentieren könnte: „Als ich eben auf der Autobahn war, wurde vor einem Falschfahrer gewarnt der mir entgegenkommen sollte. Deshalb musste ich sehr vorsichtig und langsam fahren. Ich hatte auch schon überlegt, die nächste Abfahrt zu nehmen, auch wenn ich mich dann garantiert verspätet hätte. Das wäre dann meine Prävention gewesen, einen Unfall zu verhindern“, erzählte Annelie Keil den wenigen Zuhören.
Drohte der Bürgersaal bei den zwei Vorträgen, die Annelie Keil schon in Loxstedt gehalten hatte, mit mehr als 200 Besuchern noch aus allen Nähten zu platzen, so waren diesmal nur rund 70 Zuhörer erschienen.
Was Annelie Keil im Anschluss an ihr Praxisbeispiel zur Prävention vortrug, entsprach den Erwartungen, die an die Wissenschaftlerin gestellt werden. Selbstkritisch und mitunter sehr direkt präsentierte sie das schwierige Thema „Lust auf Leben in eigener Regie“. Ohne langweilig zu werden, arbeitete sich die Referentin durch ein vorbereitetes Konzept, von dem sie aber immer wieder erfrischend abwich und humorvoll aussprach, was sie gerade dachte.
Ihren Vortrag übertrug sie unter anderen auf Demenzkranke. „Leider werden Demenzkranke sehr oft bevormundet, weil wir anderes denken und ihr Handeln nicht verstehen. Besser wäre es, sie so zu akzeptieren, wie sie nun einmal sind, auch wenn das nicht unbedingt in unser Profil passt“, meinte die Sozialwissenschaftlerin.
„Prävention heißt eigentlich nichts anderes, als vor Risiken zu bewahren. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholmissbrauch handelt oder um den Kleidungsgeschmack. Warum soll nicht jeder Mensch so leben, wie er möchte, also in
eigener Regie?“
Am Ende des Vortrags gab es stürmischen Beifall für die Rednerin.
Zu Beginn der Veranstaltung berichtete Bürgermeister Detlef Wellbrock (parteilos) über den Loxstedter Präventionsrat und seine Tätigkeit.
Seit 2004 habe der Präventionsrat gemeinsam mit der Polizei und anderen Institutionen viele interessante Projekte wie „Keine Kurzen für die Kurzen“, „Spuren im Netz“, „Mut tut gut“, „Gegen Gewalt in Paarbeziehungen“ oder „Nach fünf Minuten gibt der Einbrecher auf“ verwirklicht.
Text:Rolf Schmonsees
Der Jahresbericht 2012 des Präventionsrates Loxstedt als PDF-Datei - bitte auf das Bild klicken.
Lust auf Leben in eigener Regie! - Zwischen Genuss und Suff, Frust und Angst auf der Suche.
In der 9. Präventionsversammlung des Präventionsrates Loxstedt spricht Annelie Keil darüber, wie man seinen Auftritt auf der 'Lebensbühne' selbstbestimmt gestalten soll.
Am Montag, 03. Dezember 2012 ab 19:30 Uhr im Bürgersaal im Rathaus Loxstedt.
Moritz Becker vom Verein „smiley“ kann dem Pädagogik-Papst Dr. Jan-Uwe Rogge das Wasser reichen. Das Internet ist das Thema des 34-jährigen Diplompädagogen aus Hannover, das er für die Eltern und Lehrer im Loxstedter Bürgersaal mit seinem Pappkameraden Max bearbeitete. So amüsierten sich mehr als 100 Zuhörer über Max, Moritz und dessen Vortrag über Spuren im Netz. Das Publikum hat sich köstlich amüsiert und dabei verstanden, das sich ein 13-Jähriger im Internet genauso bewegt wie im richtigen Leben.
Sie lernten eine Menge über junge Leute wie Max und die Haltung, mit der sie im weltweiten Netz surfen. Dabei machte der Diplompädagoge den Erwachsenen auf unterhaltsame Art klar, dass technische Filter allein Jugendliche nicht vor den Gefahren des Internets schützen. Immun gegen Cybermobbing und unerwünschte Annäherungen aus dem Netz werden die Jugendlichen, wenn ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden. Seine Botschaft: Wenn Kinder im richtigen Leben klarkommen, dann können sie auch mit den neuen Kommunikationsmitteln verantwortungsbewusst umgehen.
Erwachsene und Jugendliche haben völlig verschiedene Sichtweisen aufs Internet. Für die Erwachsenen ist es ein Arbeitsmittel wie ein Hammer, den der Pädagoge auch tatsächlich aus einem Werkzeugkasten holte. Für junge Leute wie den 13-jährigen Max aber ist es ein Spielzeug, das es zu erkunden gilt.
Eigentlich war Max die Hauptperson des Abends. Er wurde am Anfang mit gelben Karten ausgestattet, auf denen all die Eigenschaften standen, die ihn antreiben: Neugierde, Unbekümmertheit, die Suche nach Anerkennung, Aufmerksamkeit, Freiheit, Orientierung und nach der eigenen Identität. Mit Max und seinen erwachsenen Zuhörern probierte Moritz aus, wie unterschiedlich sie zum Beispiel auf Facebook reagieren. Würde sich zum Beispiel Max’ Mutter bei dem Internet-Netzwerk anmelden und feststellen, dass Facebook bereits viele ihrer Freunde kennt, weil die schon vorher nach ihr gesucht hatten, würde sie das Laptop erschreckt zuklappen. Big Brother lässt grüßen.
Max würde völlig anders reagieren und verzückt rufen: „Wie geil ist das denn.“ Denn er sucht Kontakte im Netz, um sich zum Beispiel zu verabreden. Er nutzt das Internet als Kommunikationsmedium wie seine Eltern das Telefon oder als Bildmedium wie seine Eltern den Fernseher. Gedanken müsse man sich aber machen, wenn das Kind von Internetspielen oder sozialen Netzwerken dermaßen gefesselt sei, dass es das wahre Leben verpasse. Dann stimme allerdings in der Regel etwas mit den Grundbedürfnissen nicht, die den 13 Jahre alten Max antreiben, sagt der Pädagoge. Bei Max müssten Eltern und Lehrer dann ansetzen, nicht beim Internet. Genauso sei es mit dem Cybermobbing, wenn Jugendliche im Netz gemobbt werden. Am besten, so der Pädagoge, gehe man dem wie im richtigen Leben auf den Grund und versuche, ein Mitgefühl für die gemobbte Person herzustellen.
Die Veranstaltung war organisiert vom Loxstedter Präventionsrat, als dessen Sprecher Bürgermeister Detlef Wellbrock (parteilos) die Internetrecherche einleitete.
Text und Bild Barbara Fixy
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Kinder und Jugendliche im Internet - Vortrag von Moritz Becker, smiley e.V.
Nach kürzester Zeit konnten sich soziale Netzwerke wie das SchülerVZ und Facebook bei Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit erfreuen. Während sich Schüler die vielseitigen Darstellungs- und Kommunikationsmöglichkeiten aneignen, wächst die Sorge vor unbedachten Angaben persönlicher Daten, Fotos und virtuellem Mobbing. Neben der notwendigen Diskussion über Persönlichkeitsrechte muss thematisiert werden, wie man sich grundsätzlich selbstbewusst, kompetent und somit sicher in virtuellen Welten bewegt. Das schließt neben Plattformen wie SchülerVZ natürlich auch die Rolle von Persönlichkeitsrechten beim Umgang mit Videoportalen wie YouTube und natürlich auch die Chancen und Risiken bei der Nutzung von Chats wie ICQ mit ein.
Die Forderung an Eltern, ihre Kinder beim „Großwerden im Internet“ zu begleiten, klingt viel einfacher als sie sich im Alltag umsetzen lässt. An diesem Abend wird deshalb grundsätzlich und für jeden verständlich erläutert, warum Kinder und Jugendliche das Internet lieben, wo die Risiken und Gefahren liegen und wie Kinder sich und andere schützen können. Vor allem geht es aber darum, welche positive Rolle Eltern bei der Medienerziehung spielen können.
Der Referent:
Moritz Becker (34) ist Sozialpädagoge, Eltern-Medien-Trainer und „nebenbei“ selbst Vater zweier Mädchen im Kindergarten- bzw. Grundschulalter. Er arbeitet für den Verein smiley e.V. aus Hannover, ist Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Hildesheim und freiberuflich unter anderem für den Verein Blickwechsel und als Dozent für die niedersächsische Landesmedienanstalt tätig.
Der Verein smiley e.V. mit Sitz in Hannover bietet Elternveranstaltungen an, führt Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrern durch und hat im letzten Schuljahr niedersachsenweit mit über 600 Schulklassen gearbeitet.
Donnerstag, 08. Dezember 2011 - 19:30 Uhr
im Bürgersaal im Rathaus Loxstedt